2015

Tagestouristen und Stammgäste


Ralph Schindel


Die Riehener Wirtinnen und Wirte kämpfen wie die ganze Schweizer Gastronomie und Touristik mit der Frankenstärke. Dazu kommt auch noch die Grenznähe. In ihrem Kampf hilft ihnen die Fondation Beyeler mit ihren Ausstellungen, die viele Auswärtige ins Dorfzentrum holt.




Riehen hat eine überschaubare Beizenszene mit 15 Restaurants und 7 Cafés. Erstaunlich dabei ist die Vielfalt der Angebote, die von der gutbürgerlichen Küche über Pizzerien und Lieferservices bis hin zum exotischen Essen aus Südostasien und der Mongolei reicht. Das gefällt Hasan Berisha, der mit seiner Familie seit 2009 im Restaurant ‹Sängerstübli› wirtet. Er teilt die Riehener Gastronomieszene in fünf oder sechs grosse Restaurants und viele kleinere Betriebe ein.1 Zu den Grossen gehören sicher das ‹Sängerstübli›, der ‹Landgasthof› und der ‹Berower Park›.


Letzteren führt Pascal Steiner, Gastronomieleiter der Fondation Beyeler. Mit der ‹Gauguin›-Ausstellung in der Fondation hat Steiner 2015 fünf «fantastische Monate» erlebt. Die Ausstellung hat 370 000 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland angezogen. «Wenn es uns gut geht, geht es den meisten Beizen im Dorf auch gut», sagt Steiner.2 Der Berower Park hat sehr viele Gäste, die nach dem Besuch der Fondation Beyeler noch etwas essen und trinken möchten. Manchmal sind es aber so viele, dass das Restaurant nicht genügend Plätze anbieten kann. Dann will Steiner seine Gäste in Riehen weiterschicken können an einen Ort, von dem er weiss, dass die Gäste gut und freundlich bedient werden. Das freut Beizer wie jenen des ‹La Tandure› und sie rüsten sich für den erwarteten Besucherstrom mit zusätzlichem Personal.




Freundlichkeit bringt Stammgäste


Die Fondation mindert damit für viele Gastronominnen und Gastronomen das Problem der Frankenstärke und der Grenznähe. Besonders zu Beginn des Jahres sei die Frankenstärke deutlich zu spüren gewesen, sagt Steiner. Vergleichbare gastronomische Ausflüge nach Frankreich oder Deutschland kosten zwei Drittel des Schweizer Preises. Hinzu kommt ein Problem, das Pascal Steiner und Hasan Berisha unabhängig voneinander ansprechen. Sie kritisieren die schlechte Parkplatzsituation in Riehen. Diese sei durch die Parkraumbewirtschaftung nicht besser, sondern desaströs geworden. Auswärtige Arbeitnehmende besorgen sich eine Parkkarte und belegen damit ganztags Parkplätze. Potenzielle Restaurantgäste finden deshalb keine freien Abstellplätze mehr.


Steiner stellt grundsätzlich fest, das die Riehener Gastroszene mit denselben Problemen kämpft wie die restliche Schweiz. Das sei aber Jammern auf hohem Niveau, denn «Höflichkeit, Freundlichkeit und Dienstleistung kosten noch nichts» und damit könnten die hohen Schweizer Preise wettgemacht werden. Dafür sei die Schweiz früher ja auch berühmt gewesen. Diese Zeiten seien aber längst vorbei. Da gehe es der Schweizer Gastronomie offenbar immer noch zu gut. «Viele Wirte und Angestellte üben ihren Beruf nicht aus Spass aus, sondern wollen nur Geld verdienen», sagt Steiner.


Auf Höflichkeit und Dienstleistung setzt auch Berisha. Im Gegensatz zum Berower Park, der hauptsächlich von den Besucherinnen und Besuchern der Fondation Beyeler lebt, kann das Sängerstübli auf 80 Prozent Riehener Stammgäste zählen. «Sie kommen wieder, weil wir frische Waren und gute Preise haben und weil sie freundlich bedient werden», ist Berisha überzeugt. Weil das Sängerstübli viele Stammgäste hat, spürt Berisha die Grenznähe und die Frankenstärke nicht. «Die Riehener kommen gerne her, weil sie wissen, was es hier gibt», sagt er. Das Sängerstübli hat sich unter der Familie Berisha von der Beiz zum familienfreundlichen Restaurant mit Beizenatmosphäre entwickelt. Zu Beginn von Berishas Tätigkeit kamen wenig Vereine ins Sängerstübli, mittlerweile ist an jedem Abend in der Woche mindestens ein Verein anwesend. 




Kultur bringt Tagesgäste


Für die Zukunft der Riehener Gastroszene geht Hasan Berisha davon aus, dass einige kleinere Betriebe wieder verschwinden werden, weil deren Aufwand zu gross ist. «Den Kleinen fehlen die finanziellen Mittel, um sich bekannt zu machen», sagt er. Vieles werde auch von der Entwicklung der Fondation Beyeler abhängen, meint Pascal Steiner. Dank publikumsstarken Ausstellungen in der Fondation und dem Neu- und Umbau des Kunstmuseums Basel wird Riehen ein Besuchermagnet bleiben. Wer von weiter weg wegen des Basler Kunstmuseums 
anreist, besucht nämlich meist auch noch die Fondation in Riehen – und umgekehrt. «Wir spüren es, wenn das Kunstmuseum eine interessante Ausstellung präsentiert», sagt Steiner. 


Anfang 2015 wurden zudem die Pläne der Fondation bekannt, den Iselin-Weber-Park samt Liegenschaften zu kaufen. Für den Kauf, einen Neubau sowie den erforderlichen Unterhalt und Betrieb für die ersten zehn Jahre sind bereits 50 Millionen Franken zugesichert. Die Fondation rechnet für die gesamte Erweiterung mit einem Kostenrahmen von 80 Millionen Franken.3 Der Iselin-Weber-Park schliesst gleich auf der anderen Seite des Bachtelenwegs an das Gelände der Fondation an. Im multifunktionalen Raum des vorgesehenen Neubaus könnten Veranstaltungen vor einem grösseren Publikum stattfinden und würden den normalen Ausstellungsbetrieb nicht stören. Neue Ausstellungsräume könnten auch weitere Sammlungen, Schenkungen und Dauerleihgaben aufnehmen. «Werden diese Pläne realisiert, gibt das auch der Riehener Gastroszene einen neuen Schub», ist Steiner überzeugt. Dann sei es aber an jedem einzelnen Wirt im Umkreis eines Kilometers, auf die neue Situation vorbereitet zu sein.




1 Gespräch mit Hasan Berisha, Wirt des Restaurants Sängerstübli, Riehen, 2.7.2015.


2 Gespräch mit Pascal Steiner, Gastronomieleiter der Fondation Beyeler, Riehen, 2.7.2015.


3 Raphael Suter: Fondation Beyeler plant 50-Millionen-Bau, in: Tages-Anzeiger, 29.1.2015, www.tagesanzeiger.ch/kultur/kunst/Fondation-Beyeler-plant-50MillionenBau/story/27457718, Zugriff: 2.7.2015.

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